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Stefan Mogeritsch 7b35831d8c feat(docs): add detailed reference for CSN and CDN competitions under ÖTO rules
- Introduced comprehensive documentation on parameters for Springen (CSN) and Dressur (CDN).
- Covered class definitions, scoring systems, and special competition formats for both disciplines.
- Detailed guideline examples to assist organizers with tournament preparation.

Signed-off-by: Stefan Mogeritsch <stefan.mo.co@gmail.com>
2026-03-23 12:40:29 +01:00

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Detaillierte Bewerbs-Parameter: Springen und Dressur

Dieses Dokument beschreibt die genauen Parameter, die in der Turnier-Ausschreibung für die einzelnen Bewerbe der Sparten Springen (CSN) und Dressur (CDN) definiert werden müssen, basierend auf der aktuellen ÖTO.


1. Verständnis eines Ausschreibungs-Beispiels

Ein typischer Bewerb im Ausschreibungs-Text sieht oft so aus:

6 Stilspringprüfung 80 cm J RV: § 204/4 CSN-C Neu 1. Abt. lizenzfrei 2.Abt. R1 und Reiter mit 5 & 6 jährigen Pferden

Aufschlüsselung der Parameter:

  • 6: Bewerbsnummer. Eine fortlaufende Nummer zur eindeutigen Identifikation des Bewerbs (Prüfung Nr. 6 des Turniers).
  • Stilspringprüfung: Art der Prüfung. Es geht hier nicht rein nach Fehlern und Zeit, sondern der Reiter wird von Richtern mit einer Wertnote für seinen Sitz, seine Einwirkung und den Rhythmus beurteilt.
  • 80 cm: Klasse / Maximale Hindernishöhe. In diesem Fall entspricht dies der Einsteigerklasse (E bzw. E0).
  • J: Startbuchstabe. Nach diesem Buchstaben wird die Startreihenfolge alphabetisch gelost (oft nach dem Namen des Pferdes). Ist der Buchstabe "J", startet das Pferd "Jolly Jumper" als erstes, danach "Karino" usw., bis am Ende das Pferd "Ikarus" startet.
  • RV: § 204/4: Richtverfahren. Der direkte Verweis auf den entsprechenden Paragraphen der ÖTO. Hier bedeutet dies: Stilspringprüfung mit Wertnoten von 0,0 bis 10,0.
  • CSN-C Neu: Turnierkategorie. Nationales Springturnier, Kategorie C-Neu. Das ist eine Einsteiger-Kategorie, bei der auch Reiter ohne Lizenz (nur mit Reiterpass) antreten dürfen. Es gibt hier kein Preisgeld, nur Sachpreise und Schleifen.
  • 1. Abt. lizenzfrei: Abteilung 1 (Unterteilung). Diese Abteilung (erste Siegerehrung/Platzierung) ist exklusiv für Reiter, die noch keine Turnierlizenz haben.
  • 2. Abt. R1 und Reiter mit 5 & 6 jährigen Pferden: Abteilung 2. Die zweite Abteilung wertet alle Reiter mit der Einstiegslizenz (R1) sowie erfahrene Reiter, wenn sie junge Nachwuchspferde reiten. So wird Fairness garantiert.

2. Sparte Springen (CSN) im Detail

2.1 Die Klassen (Höhen für Großpferde)

Die Klassen geben die maximale Höhe der Hindernisse an:

  • Klasse E0 (Einsteiger): 60 bis 90 cm
  • Klasse A (Leicht): 105 bis 110 cm
  • Klasse L (Mittelleicht): 115 bis 120 cm
  • Klasse LM (Leicht-Mittelschwer): 125 bis 130 cm
  • Klasse M (Mittelschwer): 135 cm
  • Klasse S (Schwer): 140 bis 160 cm (Hinweis: Für Ponys sind die Höhen reduziert und die Abstände in Kombinationen verkürzt)

2.2 Die Richtverfahren (RV) gemäß § 204 ÖTO

Das Richtverfahren definiert, wie Fehler und Zeiten gewertet werden.

Richtverfahren A (Standardspringprüfung)

Es gibt Strafpunkte (Fehler) für Abwürfe (4 Fehlerpunkte) und Verweigerungen/Ungehorsam (4 Fehlerpunkte beim ersten Mal, beim zweiten Mal ab 115 cm Ausschluss). Zeitüberschreitungen über die "Erlaubte Zeit" geben Zeitfehler (0,25 Punkte pro Sekunde).

  • A1: Es gibt keine Zeitwertung. Alle fehlerfreien Ritte (gleiche Punktezahl) sind ex aequo auf Platz 1.
  • A2: Fehler und Zeit. Bei Punktegleichheit gewinnt die schnellere Umlaufzeit.
  • A3 (Idealzeit): Eine Idealzeit (meist Erlaubte Zeit minus 10%) wird definiert. Es gewinnt der Reiter, der am nächsten an der Idealzeit ist (darunter oder darüber). Schützt vor "Bolzen" in Anfängerprüfungen.
  • AM3, AM4, AM5, AM6: Standardspringen mit Stechen. Wer im Grundparcours fehlerfrei bleibt, reitet danach einen verkürzten Stechparcours auf Zeit.

Richtverfahren C (Zeitspringen)

Fehlerpunkte gibt es nicht. Für jeden Abwurf werden stattdessen Strafsekunden (meist 4 Sekunden) zur gerittenen Zeit addiert. Die schnellste Endzeit gewinnt.

2.3 Spezial-Richtverfahren / Prüfungsarten

  • Einlaufspringprüfung (§ 218): Ein Trainingsbewerb (RV A1). Es gibt keine Platzierung. Jeder fehlerfreie Reiter bekommt eine braune "Clear-Round"-Schleife.
  • Punktespringprüfung (§ 219): Man sammelt Pluspunkte für fehlerfreie Sprünge. Am Ende steht oft ein schwieriger " Joker-Sprung", der doppelte Punkte oder bei einem Fehler doppelten Abzug bringt.
  • 2-Phasenspringprüfung (§ 220): Der Parcours ist in zwei Teile geteilt. Wer Phase 1 fehlerfrei schafft, reitet ohne anzuhalten sofort in Phase 2 (die meist auf Zeit geht). Wer in Phase 1 patzt, wird abgeglockt.
  • Stilspringprüfung: Bewertung mit Wertnoten von 0 bis 10. Abzüge erfolgen für Ungehorsam (-0,5 oder -1,0) und Hindernisfehler (-0,5).

3. Sparte Dressur (CDN) im Detail

3.1 Die Klassen und Aufgaben

Die Dressur wird nach vorgegebenen "Aufgaben" geritten (z.B. "Aufgabe A2", "FEI Grand Prix"), die die zu reitenden Hufschlagfiguren exakt vorgeben.

  • Klasse A: Grundlagen, Hufschlagfiguren, einfache Galoppwechsel über den Trab.
  • Klasse L: Beginnende Versammlung, Kurzkehrt, Außengalopp.
  • Klasse LM: Schulterherein, fliegende Wechsel können vorkommen. (Ab hier wahlweise Trense oder Kandare).
  • Klasse M: Traversalen, fliegende Galoppwechsel. (Kandarenpflicht).
  • Klasse S: Pirouetten, Serienwechsel (z.B. Wechsel alle 2 Sprünge), Piaffe, Passage.

3.2 Die Richtverfahren (RV) gemäß § 104 ÖTO

Das Richtverfahren definiert die Sitzverteilung und Art der Notengebung der Richter.

Richtverfahren A (Gemeinsames Richten)

Typisch für untere bis mittlere Klassen. Die Richtergruppe (die zusammen bei "C" sitzt) einigt sich auf eine gemeinsame Wertnote zwischen 0,0 und 10,0 (z.B. 7,4).

  • Verreiten: Wird mit einem Abzug von der Gesamtnote bestraft (1. Mal: -0,2 / 2. Mal: -0,4).

Richtverfahren B (Getrenntes Richten)

Typisch ab Klasse M und bei Meisterschaften. Mindestens drei Richter sitzen an verschiedenen Stellen (C, H, M) und werten völlig unabhängig voneinander. Jede einzelne Lektion wird mit einer Note (0 bis 10) bewertet. Am Ende werden die Punkte addiert und in einen Prozentwert umgerechnet (z.B. 68,542 %).

  • Verreiten: Führt zu Abzügen bei der Gesamtpunktezahl bei jedem Richter (1. Mal: -2 Pkt. pro Richter / 2. Mal: -4 Pkt. pro Richter).

Wichtig für alle Dressurprüfungen: Ein drittes Verreiten führt unausweichlich zum Ausschluss (Abglocken) des Teilnehmers.

3.3 Sonderformen

  • Musikkür: Wird immer nach RV B gerichtet. Hierbei werden zwei getrennte Notensets vergeben: Eine Note für die * Technik* (Wurden alle geforderten Lektionen korrekt gezeigt?) und eine Note für die Künstlerische Ausführung ( Choreographie, Musikinterpretation, Schwierigkeitsgrad).
  • Dressurreiterprüfung / Dressurpferdeprüfung: Ähnlich wie im Stilspringen zählt hier primär der Sitz und die Einwirkung des Reiters (Reiterprüfung) bzw. das Potenzial und die Grundgangarten des jungen Pferdes (Pferdeprüfung). Wird in der Regel nach RV A (Wertnoten) gerichtet.